Schüler Eltern Lehrer Mediation am ASG

Theater gegen Rassismus

Einen Sklaven zum 12. Geburtstag

Auf Einladung des Dillinger Jugendpflegers Dieter Rust und der Caritas, vertreten durch Anja Klein, bot uns das Theater „Überzwerg” in der Römerhalle Dillingen ein Theatererlebnis der besonderen Art. 

Mit dem Stück „Wie schön weiß ich bin“ - nach einem Jugendbuch  von Dolf Verroen -  für nur eine Schauspielerin (Eva Coenen) wurde uns klar, wie Rassismus und Sklavenhandel das Leben im 19. Jahrhundert prägten. Eva Coenen und Bob Ziegenbalg haben das Stück inszeniert. Die Theaterleute hatten uns Zuschauer auf der Bühne platziert, nicht nur backstage, sondern über die ganze Spielfläche verteilt.

Das Stück handelt von Maria, der Tochter eines Teeplantagenbesitzers, die zu ihrem 12. Geburtstag einen Sklaven samt Peitsche geschenkt bekommt. Sie wächst mit der Einstellung auf, dass sich alles nur um die Weißen dreht und die Schwarzen lediglich dazu da sind, den Massas und ihren Familien das Leben so angenehm wie nur möglich zu machen. Maria bekommt vorgelebt, dass man Sklaven ungestraft töten kann: Eine ihrer Tanten, die sich regelmäßig zu Tee und Klatsch in Marias Elternhaus treffen, schlägt vor, das Neugeborene einer Sklavin zu ertränken, damit seine Mutter sich nicht um das Kind kümmern muss und uneingeschränkt arbeitsfähig bleibt. Marias Welt bricht zusammen, als herauskommt, dass ihr erwachsener Cousin Lukas, in den sie bis über beide Ohren verliebt ist, der Vater des neugeborenen Kindes ist.   

Für die Gesellschaftsschicht von Marias Eltern sind Sklaven keine Menschen, sondern eine Ware, die man ganz nach Belieben besitzen, verkaufen und sogar „kaputt machen“ kann. Als der Vater von Maria sich eine hübsche junge Sklavin kauft und zu seiner Geliebten macht, nutzt Marias Mutter die Abwesenheit ihres Mannes und schlägt dieses Mädchen mit ihrem Stöckelschuh brutal ins Gesicht. Eine hässliche Narbe bleibt zurück, die Sklavin ist entstellt und wird weggegeben. 

Dass Sklaverei nicht ein Relikt aus dem vorvorigen Jahrhundert, sondern immer noch aktuell ist, machten uns Eva Coenen und Andreas Braun, der für die Technik sorgte, im Gespräch nach der Aufführung klar: Kinderarbeit und Zwangsprostitution sind Erscheinungsformen der Sklaverei in unserer Zeit. Kinder haben das Recht, zur Schule gehen zu dürfen. Leider ist das in Indien und anderen Ländern nicht der Fall. Dort arbeiten Kinder auf dem Bau oder schuften täglich stundenlang in Betrieben und Fabriken, um mitzuhelfen die Familie zu ernähren. Jedes Jahr werden mindestens eine Millionen Kinder in Asien als Prostituierte missbraucht. Die meisten Kinderarbeiter leben südlich der Sahara. 69 Millionen Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren werden so ausgebeutet.

Uns allen war diese Art einer Theatervorführung neu und sie hat uns sehr angesprochen: Wir waren mittendrin, anstatt nur dabei.

Robin Feld, Johannes Wollenweber